Sexismusdebatte – Ein Aufschrei geht durchs Land

Eins vorneweg, ich weiß, dass dieses Thema ein heißes Eisen ist und es durchaus ganz andere Meinungen gibt, als meine. Den einen Menschen tendiere ich zu sehr in die eine Richtung, den anderen zu sehr in die andere Richtung und einige finden vermutlich einfach mies, was ich hier schreibe.

Ich behaupte nicht, dass meine Meinung die allgemeingültige ist, so vermessen bin ich nicht. Dieser Text ist auch nicht hochwissenschaftlich, er hat auch nicht diesen Anspruch, aber ich habe mir durchaus Gedanken gemacht und diesen Text nicht nur dahingerotzt.

Wer etwas anmerken möchte, möge also bitte sachlich bleiben, ich bin immer bereit, mir andere Meinungen anzuhören und gegebenenfalls ganz oder zum Teil zu übernehmen.

Sexismus ist derzeit in aller Munde und das ist auch durchaus gut so. Weniger gut und hilfreich finde ich jedoch, die Art und Weise, wie dieses wichtige Thema angegangen wird. Sei es in den „großen Medien“ oder auf Twitter, wo die Debatte zusätzlich durch 140 Zeichen erschwert wird. Dass Sexismus ein Problem ist, das wir als Gesellschaft angehen müssen, ist bis auf wenige verbohrte Menschen – meist männliche – wohl fast allen klar. Sicherlich haben unterschiedliche Menschen unterschiedliche Gründe, warum sie Sexismus angehen wollen und unterschiedliche Definitionen von Sexismus, was die Debatte durchaus schwieriger werden lässt.

Ich beziehe mich im Folgenden auf eine recht simple Definition von Sexismus, die sicher nicht jeder teilt, aber ohne diesen Bezugspunkt wird eine vernünftige Debatte beinahe unmöglich gemacht: Sexismus ist das Unterteilen von Menschen nach biologischen Unterscheidungsmerkmalen, verbunden mit einer Rollenzuweisung und Geschlechterklischees. In unserer Gesellschaft trifft Sexismus – bedingt durch die Machtverhältnisse und tradierte Verhaltensweisen – meist Frauen. Ich werde jedoch auch – auch wenn es nicht bei jedem gut ankommen mag – auch gegen Männer gerichteten Sexismus behandeln.

Dieser Beitrag gliedert sich wie folgt:
1) Sexismus in unserer heutigen Gesellschaft
2) Sexismus trifft auch Männer
3) Rosinenpickender Feminismus
4) Die Debatte und warum sie teils mehr schadet, als nutzt
5) Fazit

1. Sexismus in unserer heutigen Gesellschaft

Wir leben in einer Gesellschaft, in der – Machtverhältnisse und tradierte Verhaltensweisen – Frauen häufig Sexismus erleben. Einige erleben ihn ohne zu leiden, andere leiden offensichtlich oder insgeheim unter ihm. Klassische Beispiele fangen in der Schulzeit an (da dort andere Machtverhältnisse herrschen, trifft es hier auch häufiger, als im gesamten gesellschaftlichen Rahmen auch Jungs).

Der Lehrer oder die Lehrerin, der/die gerne Schülerinnen mit kurzen Röcken sieht und seine Noten daran anpasst (beachten sollte man dabei, dass viele Schülerinnen dies gerne ausnutzen, macht es einigen doch die Schullaufbahn leichter), der Lehrer oder die Lehrerin der/die gerne „Hilfestellung“ im Sport gibt usw. Vermutlich hat fast jeder sowas auch erlebt.

Weiter geht es in Privatleben und Berufsalltag. Meist sind immer noch die höheren Posten im Job von Männern besetzt. Diese Machtverhältnisse begünstigen – gerade, wenn mehrere „Männer vom alten Schlag“ die Entscheidungen treffen, Sexismus am Arbeitsplatz. Alltäglich zu sehen in den Vorzimmern fast aller Unternehmen: die hübsche Sekretärin macht sich halt gut, wenn Kunden kommen, so die archaische (aber meist halt zutreffende) Denke. Wird diese Frau dann noch zu möglichst „netter“ Kleidung angehalten, ist das leider Alltag, und definitiv sexistisch, wenn auch häufig von Pragmatismus und geschäftlichem Denken geprägt.

Frauenanteile in Führungsrollen sind quer durch alle Berufsfelder deutlich zu niedrig, Frauen werden schlechter bezahlt für die gleiche Arbeit und Frauen müssen in manchen „Männerdomänen“ weiterhin kämpfen, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

Die Ursachen liegen teils im bereits angesprochenen tradierten Denken. Von Klein auf wurden (und werden leider weiterhin) Rollenklischees anerzogen. So fällt es vielen Männern, die „althergebracht“ sozialisiert wurden, schwer, Frauen auf Augenhöhe kommen zu lassen. Dies zu ändern funktioniert aber nicht durch einen Aufschrei (der als positiven Aspekt jedoch das Thema in den Fokus rückt), sondern durch Überzeugungsarbeit und Änderung in der Sozialisierung kommender Generationen. Ja, es wird weiterhin ein langer Prozess, aber wenn man sinnvoll argumentiert, ist die Chance etwas zu verbessern deutlich eher gegeben, als durch frontenverhärtende Diskussionsunkultur. Aber dazu später mehr.

Ein weiteres klassisches Beispiel für offensichtlichen Sexismus erleben wir täglich in den Medien und in der Werbung. Rollenklischees und Stereotypen halten sich weiterhin und „Sex sells“ ist nicht nur eine Redewendung, sondern stimmt.

Solange es in Medien und Werbung nicht zu Änderungen kommt, wird eine Änderung des Status Quo meiner Meinung nach deutlich erschwert. Dies liegt an der schieren Präsenz dieser beiden Felder in unserem Alltag. Es fängt an mit Kindersendungen, die bereits Geschlechterrollen vorleben, geht weiter mit Ü-Eiern in rosa und endet mit halbnackten Frauen, die helfen Autos zu verkaufen.

Machen wir uns also nichts vor, in Sachen Sexismus hinken wir unserer doch an sich moderner werdenden Denke hinterher (wie leider auch bei anderen Themen…Anm. 19.12.2014)

2. Sexismus trifft auch Männer

Ja, auch Männer können von Sexismus betroffen sein und sind es, auch wenn Teile der Debattierenden bei Twitter und in Foren etc dies nur ungern hören und mit einem „Du Sexist“ reagieren. Klar ist, dass Männer durch die herrschenden Verhältnisse seltener betroffen sind. Allerdings ist es für Männer auch durchaus schwerer, Sexismus anzuprangern, da dieses Problem gesellschaftlich noch wenig anerkannt ist (ähnlich ist dies auch beim Thema häusliche Gewalt), so dass ich dort eine deutliche Dunkelziffer erwarte.

Was ich meine ist in etwa dies: Geht ein Mann zu seinen Kumpels und sagt:“ Meine Chefin hat mir auf den Arsch geschaut!“, sagen diese meist etwas wie „Hehe, coole Chefin, mach sie dir klar!“. Passiert das Gleiche einer Frau sagen alle „das miese Chauvi-Schwein!“.

Das soll absolut nicht den existierenden Sexismus gegen Frauen relativieren, sondern nur aufzeigen, dass – in den Fällen, wo es das Machtgefüge hergibt – Frauen ebenso sexistisch agieren, wie Männer und umgekehrt Männer ebenso betroffen sein können, wie Frauen.

Sexismus, den Männer erleben ist häufig weniger herabsetzend, nichtsdestotrotz sind auch Rollenklischees ein klares sexistisches Statement. „Wie willst du denn deine Familie ernähren bei dem Gehalt“, impliziert ein altes Rollenbild des Mannes als Ernährer. „Sei ein Mann“, ein klassisches Beispiel dafür, dass Männer gefälligst stark sein sollen (Was Quatsch ist, die gemeinte Stärke hat schließlich nichts mit körperlicher Kraft zu tun, und selbst diese ist nicht naturgegeben, nur weil Mensch Mann ist). Auch Männer werden, wenn auch weitaus weniger beachtet, in der Werbung als Sexobjekt bemüht, sei es der „Cool Water Mann“, der „Cola-Light Mann“ oder der halbnackte Mann auf den Hollister-Einkaufstüten (klar, man kauft ja auch Nacktheit ein, daher passt es ja wunderbar auf die Einkaufstüte eines Textilverkäufers…).

Eine weitere Form der Diskriminierung von Männern findet sich auch beim Thema Sorgerecht, aber dieses Fass will ich hier und heute nicht auch noch aufmachen. Lest euch einfach Statistiken durch und sagt nicht, „es wird nur auf das Kindswohl geachtet“, dann müssten die Zahlen wenigstens etwas näher beieinander liegen. Kurz: Sexismus trifft beide Geschlechter und wird von beiden Geschlechtern ausgeübt. Die Anerkennung und die Quantität sind jedoch grundverschieden.

Kommen wir nun zu zwei Spannungsfeldern, die mir persönlich (und vielen Menschen, Männern, wie Frauen, die ich kenne) negativ aufstoßen.

3. Rosinenpickender Feminismus

Ja, hier werde ich durch meine Wortwahl leicht polemisch, aber ich denke, die meisten Leser werden verstehen, was gemeint ist. Unter dem Deckmantel von Gleichstellung und Feminismus schießen manche Personen über das Ziel hinaus und schaden damit dem ganzen Prozess. Gemeint sind eben die Rosinenpicker. Diese versuchen stets – was ihr gutes Recht ist – das Beste für Frauen herauszuholen. Aber im Ernst, wer für Gleichberechtigung eintritt, sollte auch diese versuchen herzustellen und nicht das Gleichgewicht in die andere Richtung verlagern. So dürfen Frauen (meines Wissens nach) mittlerweile in der Bundeswehr alle Posten bekleiden, es gibt auch Quoten, allerdings können diese Frauen nicht zum Einsatz in ausländischen Krisengebieten gezwungen werden. So gibt es Gleichstellungsbeauftragte, die in der Regel (jedenfalls in meinem Erleben und auch bei mir bekannten Personen) jedoch eigentlich Frauenbeauftragte heißen sollten.

Auch finde ich es einfach unrealistisch (davon ab auch schädlich), eine Quote von 30-50 % zu fordern (in welchen Bereichen auch immer und für wen auch immer;Anm. 19.12.2014: mehr zur Quote habe ich unter https://matzesgedanken.wordpress.com/2014/11/30/quote-ein-paar-gedanken/ augeschrieben). Es klingt erstmal sehr fair, beide Geschlechter erhalten bei allen relevanten Positionen doch 30-50 % (also Frauen jedenfalls ;)), das ist doch super, oder? Weitgefehlt. In vielen Bereichen wird man diese Gleichheit nur mit Gewalt erreichen, nur unter Verzicht auf Leistungskriterien oder auch gar nicht. In vielen Bereichen wären schon Quoten von 20 % wohl nicht sinnvoll schaffbar, so zum Beispiel eine solche Männerquote im Erzieherberuf oder eine solche Frauenquote bei Fliesenlegern (Anm. 19.12.2014 natürlich geht es eh nur um Führungspositionen, aber das Gemeinte bleibt).

4. Die Debatte und warum sie teils mehr schadet, als nutzt

Ja, der #Aufschrei brachte dieses wichtige Thema mal wieder in die Medien und in die Gesprächsrunden unter Kollegen etc. Aber die Art und Weise schadet der Sache.

Es wurde wirklich fast nur geschrien, gerne noch über Leute geredet (Brüderle als Opferlamm war da herzlich Willkommen), selten miteinander. Menschen, die Sexismus anprangern, der ja häufig einfach nur ein Zeichen mangelnder Empathie ist, gehen mit Vehemenz und ohne Empathie gegen „Andersdenkende“ vor. Es wird nicht sachlich, argumentativ und lösungsorientiert debattiert, stattdessen werden Fronten unnötig verhärtet. Ich meine damit nicht, dass man auch mal laut werden kann, wenn das Gegenüber einfach plump sexistisch ist. Solche Leute erreicht man auch mit vernünftiger Diskussionskultur nicht, sie sind für die Debatte verloren.

Aber dieses „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, dieses schaffen einer Pseudorealität von „uns“ und „denen“ schadet in dem Sinne, dass viele Personen (in diesem Falle ich und mir bekannte Personen beiderlei Geschlechts) sich genervt abwenden und diese Schreie nicht mehr wirklich ernst nehmen können.

Klar ist es ein emotionales Thema, klar vergisst man manchmal ein wenig Sachlichkeit und klar ist zum Beispiel Twitter ein Medium, dass durch die Reduzierung Auf 140 Zeichen zu Verkürzungen und Missverständnissen einlädt und sachliche, hintergründige Gespräche erschwert. Dennoch bleibe ich dabei, dass man auch und gerade bei solchen Themen ab und an erst einmal durchatmen sollte, bevor man losschreit. Erst einmal überdenken, ob der Gegenüber es wirklich so meinte, wie es bei mir ankommt. Sich in den anderen hineinversetzen und danach schauen, was für Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung bestehen. So findet sich eine Diskussionsbasis, von der man ausgehen kann.

Danach könnte dann der konstruktive Teil folgen, zu dem es leider meist nicht kommt (sicher gibt es auch hierzu positive Beispiele). Damit schadet dieser Aufschrei durch Verprellen potentieller Unterstützer und durch das bigotte Vorleben fehlender Empathie, die man doch der anderen Seite (oft nicht zu Unrecht) vorhält, der Sache an sich.

Bei jeglicher Kritik oder anderslautender Meinung kam schnell der Beißreflex zum Vorschein und es wurde, wie man es auch aus anderen emotional aufgeladenen Debatten kennt, ein schönes plakatives Schlagwort ausgepackt, das jegliche sachliche Grundlage, die noch bestanden haben könnte wegfegte (Anm. 19.12.2014: das zieht sich bis heute durch die Thematik. Leider). Das Totschlagwort dieser Debatte lautet natürlich „Sexist“ (das der Gegenseite ist noch weniger schön und lautet „Gutmensch“, zu diesem Wort muss ich wohl nichts mehr sagen).

Warum schadet der inflationäre Gebrauch dieses Wortes? Weil es die Bedeutung verwässert, wenn jemand zu oft „Wolf“ ruft, verliert es halt einfach an Wirkung. Ein ähnliches Problem gibt es auch beim Thema Antisemitismus, aber auch dieses Fass öffne ich hier nicht, es soll nur veranschaulichen, dass Totschlagworte nicht positiv für eine Diskussion sein können. Das schreien des Wortes „Antisemit“ kommt häufig als Reflex bei Kritik an Israel, ich nenne dieses rhetorische Stilmittel gerne „der Friedmann“. In diesem Fall ist „Sexist“ das Pendant. Und hier, wie dort, wird ein wichtiger Begriff unnötig verwässert und hilft auf keinen Fall der Diskussion.

Eine weitere Sache stößt immer mehr Menschen, die ich kenne, negativ auf und das ist das konsequente Gendern und Ändern bestehender Begrifflichkeiten. Gendern macht meiner Meinung nach geschriebene Texte (vom gesprochenen Wort gar nicht erst anzufangen) deutlich weniger gut lesbar. Wortveränderungen, meist eigentlich nur euphemisierender Art, zeigen guten Willen, beruhigen Menschen, die diese nutzen, weil sie ja weniger diskriminierend sind und bringen letztendlich nur dann etwas, wenn sich auch in den Köpfen der Gesellschaft etwas ändert. Sonst kommt man nur in eine Euphemismusspirale.

Oder hat sich das Standing der Facility Manager im Vergleich zu den Hausmeistern gebessert? Ist das Bild in den Köpfen beim Wort Afrodeutscher (wie ich finde ein ganz schrecklicher Begriff, entweder man ist ein Deutscher/Schweizer/Amerikaner… oder halt nicht) so viel besser, als beim Wort Schwarzer oder Neger? Werden Menschen mit Behinderung besser behandelt und angesehen, weil sie nicht mehr Behinderte genannt werden? Sind Frisösinnen in der gesellschaftlichen Hierarchie weit über ihr Dasein als Frisösen herausgekommen? Fühlen sich die Kunden der Arbeitsagentur besser, als vorher die Arbeitslosen beim Arbeitsamt? Werden sie anders gesehen? Meine Meinung dazu ist, dass es sich dabei häufig um eine Selbstberuhigung handelt, wie auch das Mülltrennen („ich tue etwas Gutes, politisch korrektes“), und sich die Leute damit oft aus der Pflicht genommen fühlen, wirklich etwas zu ändern.

Änderung kann durch Worte unterstützt werden, klar, Sprache ist mächtig, aber die Änderung von Sprache, ohne die Denkweisen und Ansichten der Menschen zu ändern ist einfach nur eine Schicht Lack auf rostigem Untergrund. Es sieht eine Weile nett aus, man fühlt sich besser und es ändert doch nichts.

Gut gedacht ist halt nicht gleichbedeutend mit gut gemacht. Doch was tun, um dieses wichtige Thema nach vorne zu bringen? Was machen, damit Bewegung hineinkommt? Wie Unterstützung der breiten Masse der Gesellschaft erlangen, um Sexismus zu ächten?

5. Fazit

Ich versuche nun einmal zu skizzieren, was meiner Meinung nach passieren kann, um das Thema voranzubringen. Als Erstes sollte sich die Debatte versachlichen. Von klaren Sexisten und Trollen ist das nicht zu erwarten, aber wenn die „gute Seite der Macht“ in diesem Fall mit positivem Beispiel vorangeht, schießen diese sich selbst ins Bein. Also: Mit gutem Beispiel sachlich vorangehen, auch mal den Zorn herunterschlucken. Lieber ein paar Minuten warten, als Schnellschüsse aus der Hüfte abzugeben. Stellt das eigene Ego hintenan. Ihr seid (vermutlich) weder Superman, noch Wonderwoman und werdet die Welt nicht alleine verbessern. Ihr könnt aber euren Teil dazu beitragen, sie besser zu machen. Bleibt sachlich. Argumentiert, viele Argumente sind schließlich deutlich auf eurer Seite. Gebt ruhig zu, wenn euer Gegenüber auch (teilweise) Recht hat. Sagt „Ja, Männer haben durchaus auch unter Sexismus zu leiden, das erkenne ich an. Allerdings ist dieses Thema bei Frauen stärker erlebbar. Aber lass uns doch zusammen gegen Beides vorgehen“. Da bricht doch keinem ein Zacken aus der Krone, oder?

Sachlich bleiben, sich in das Gegenüber hineinversetzen und überlegen, welche Art der Überzeugung wohl funktionieren kann, denn das ist wiederum bei vielen Menschen unterschiedlich. Bloß nicht weiter die Fronten verhärten durch „die vs wir“ Schemata und Gruppendenken.

Nicht jeden, der teilweise anderer Meinung ist direkt zu „den anderen“ zählen. Vielleicht sind diese durchaus sehr nahe bei eurer Meinung, nur manche Nuancen stimmen nicht. Überzeugt sie mit Argumenten, nicht durch Blocken, Ausgrenzen etc.(das gilt, wie so einiges natürlich auch bei anderen Debatten. Diskussionskultur ist wichtig, wenn man als Ergebnis nicht nur verbrannte Erde wünscht).

Da gibt es die simple, menschlich-biologische Seite des Ganzen. Warum zum Teufel sollen Menschen unterschiedlich behandelt werden, nur weil Chromosomen unterschiedlich sind? Weil es schon immer so war? Jeder halbwegs normal denkende Mensch wird „das war schon immer so“ als das erkennen, was es ist: Ein „Nonsens-Argument“.

Dann gibt es wirtschaftliche Aspekte. Damit bekommt man bei Debatten um gleichen Lohn und Quote eventuell ein paar Manager, Logiker und wirtschaftlich denkende Menschen leichter auf seine Seite: Warum verschenken wir soviel Potential, indem wir es nicht hinbekommen, faire Chancen für Frauen zu schaffen? Männer und Frauen sind halt nicht gleich, haben aber meist durchaus unterschiedliche Stärken. Man spricht Frauen z. B. nicht umsonst ein stärkeres Einfühlungsvermögen zu, dies ist oft der Fall. Warum sollte man diese Stärken nicht für sich und die Allgemeinheit nutzen? Debattiert niemals, niemals von oben herab. Dies führt zu ungewollten psychologischen Effekten. Denkt euch in die andere Seite hinein und überlegt, wie diese Art bei euch ankommt. Und?

Zuletzt, auch wenn es viele nicht hören wollen: Veränderung geht nicht von heute auf morgen. Ja, es dauert schon ewig. Nein, es wird nicht auf einmal alles gut. Veränderungen in Köpfen brauchen Zeit. Bis diese dann gesellschaftlicher Konsens sind, dauert es noch länger. Und erst dann wird das wichtigste passieren: Weitere Generationen wachsen ganz selbstverständlich mit einem anderen Weltbild auf. Sie werden später nur noch über dieses Thema lesen und sich denken: „gut, dass die Menschen das damals geändert haben“.

Schickt eure Söhne, wenn sie wollen in ein Ballettstudio und schenkt dem Mädchen die Eisenbahn. Der Junge will ein rosa Zimmer? Nur zu. Lebt Kindern, Nachbarn, Freunden und Fremden eure Weltsicht vor. Eure Akzeptanz der Gleichberechtigung und Vielfalt und eure Freude an diesen. Nichts verhilft besser zu Veränderungen, als lebende positive Beispiele.

Wenn euch sexistische Werbung missfällt oder ebensolche, Stereotypen bedienende Berichterstattung, tut dies kund und wenn keine Reaktion erfolgt, macht es sachlich öffentlich und boykottiert diese Läden. Wichtig dabei: Transportiert eure Meinung vernünftig und lebt auch danach, so zieht ein Beispiel andere Menschen mit.

Kurz: Versetzt euch in andere Menschen, diskutiert sachlich und geht mit eurem Gegenüber respektvoll um, er/sie wird das zu schätzen wissen und euch viel eher zuhören. Wenn ihr Wasser predigt, dann trinkt es auch und lebt danach. Das gilt für alle Diskussionen gleichermaßen. Ignoriert die komplett verbohrten, die die Diskussion aus sachlichen Bahnen herausziehen, ignoriert die Trolle, die sich lustig machen, die disqualifizieren sich selbst. Stoßt nicht diejenigen vor den Kopf, die eigentlich eurer Meinung sind, ohne es zu wissen, ohne es zu artikulieren oder halt mit gewissen Abstrichen. Stoßt nicht diejenigen vor den Kopf, denen vielleicht nur ein Beispiel oder eine Information fehlt. Wir sind die Mehrheit und die Mehrheit hat Macht. Vorleben und Überzeugen sind langsam, aber mächtig mahlende Mühlen. Wenn wir uns dieser Macht bewusst werden, sie gezielt und geduldig nutzen und danach handeln und leben, dann, ja dann, kann alles gut werden.

LG Matze

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3 Gedanken zu „Sexismusdebatte – Ein Aufschrei geht durchs Land

  1. kontrapunkt13blog

    In der Bundeswehr gibt es Soldatinnen in allen Bereichen. Auch in Kampfeinheiten und daher sind auch Frauen im Einsatz in Afghanistan. Es sind auch Frauen im Kampfeinsatz. Und dadurch sind auch Soldatinnen von PTBS (Posttraumatische Belstungsstörung) betroffen. Eine Frau General gab es bisher nur beim Sanitätsdienst, in Heer, Luftwaffe, Marine und SKB ist dies bisher aufgrund der Öffnung der Bundeswehr für Frauen in allen Bereich seit 2002 aus personalentwicklungs Punkten noch nicht möglich. Die ersten Frau Major dürfte es in den nächsten Jahren geben.

    Antwort
  2. nanonebel

    Diese ganze Sexismusdebatte ist meiner Ansicht nach fingiert, um vor den wirklich wichtigen Problemen unserer Zeit abzulenken. Das zeigt sich ua, daran, dass aktuelle “Feministen / innen” zumeist zur akademisierten Mittel-bis-Oberschicht gehören und bei ihren Aktionen die eigene Karriere fest im Blick haben. Wer sich als angepasste/r Mitmacher/in profiliert und der herrschenden Doktrin entsprechend von Problemen wie grassierender Verblödung in Tateinheit mit Entsolidarisierung der Gesellschaft, Sozialabbau und völligem Freidrehen der politischen Kaste ablenkt, wird belohnt.
    Dass demhingegen 90% der Frauen- und Männerwelt, unabhängig davon ob – homo, lesbo oder hetero – mit ihren Geschlechterrollen durchaus klarkommen und, mehr noch, sich damit gerne arrangieren, spielt in dem ganzen Sexismus-Hype keine Rolle. Ebenso wenig interessiert, dass diejenigen, die sich zum Beispiel über “sexistische Werbung” aufregen nur deshalb gehört werden, weil alle anderen Menschen in Wohlgefallen leise bleiben. Ich Beispielsweise mag, sofern Werbung denn überhaupt sein muss, Werbebilder sportlicher Typen die sich mit knackärschigen sexy Bunnies umgeben – gerne mit Schmollmund und großen, devoten Augen. Und, anderes Beispiel, auch ich habe ein paar adrette Mädels im Büro zu sitzen, denen ich hin und wieder gerne auch mal ein freundliches, auf ihr Erscheinungsbild bezogenes, Kompliment mache. Und, das wiederum gefällt ihnen – obwohl sie allesamt liiert sind. Denn hier geht es nicht ums ficken oder irgendwelche schwülstigen Übergrifflichkeiten, sondern um stinknormale männliche und weibliche Energie, mit der man durchaus charmant spielen kann. Also was? Zu guter Letzt, aber das wäre ein anderes Thema, hat es auch patente Frauenzimmer schon immer gegeben: Attraktive, eloquente Damen, die einem heterosexuellen Mann – egal in welcher Situation – immer überlegen sind. “mans ruin”. Hören wir also bitte endlich damit auf, sexuelle Energie und, ja, auch sexuelles Kapital (Boudieu ua.) zu leugnen.
    Halten wir stattdessen fest, dass es eine sexualisierte, von mir aus sexistische Ausprägungen in der Gesellschaft gibt, mit der sehr-sehr viele Menschen, Männlein wie Weiblein, gerne klarkommen.
    Wer auch immer ein Problem damit hat, möge sich bitte anschicken, seine/ihre eigenen sozialen Strukturen zu bauen, innerhalb derer Mann & Frau sich dann gänzlich entsexualisiert begegnen können. Aber bitte: Geht mir nicht mit euren Problemen auf den Sack! (pardon)
    Was ich meine ist, dass es mich zusehends nervt, dass eine realtiv kleine Gruppe von Menschen gesellschaftliche Probleme herbeischreit, die für viele andere Menschen nicht existieren und, mehr noch, versucht der Majorität ihre ihre Sicht der Dinge aufzuzwingen. Es nervt mich, weil diese Sicht spießig, verklemmt und humorlos ist – und nicht dazu geeignet, das Leben lebenswerter zu machen oder sonstwie mit mehr Freude zu erfüllen.
    PS: Ich glaube nicht, dass Frauen grundsätzlich das größere “Einfühlungsvermögen” haben. Eher im Gegenteil können sie mE nicht selten kühler und rationeller agieren als Männer. Und, andere These, ich nehme an, dass Feministinnen im Schnitt unattraktiver sind als nicht feministische Frauen und aus Frustration darüber dem Rest der Gesellschaft die Lust am sexuellen Spiel rauben wollen.

    Antwort

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