#TuFremdenGutes

Wie kommt es zu diesem hochtrabend klingenden Hashtag als Überschrift? 

Die letzte Zeit dachte ich mal wieder ein wenig über die Welt nach, über die Probleme die der menschliche Teil dieser Welt hat oder verursacht und über mögliche Ansatzpunkte, um daran etwas zu ändern. 

Einige Textfragmente habe ich bereits gesammelt, vielleicht reifen sie noch zu Blogbeiträgen, man wird sehen. Letztendlich bin ich der Meinung, dass die meisten Probleme und Sorgen, die wir als Gesellschaft angehen müssen und auch können, sich mit wenigen Dingen verbessern lassen. Ich sage nicht, dass es schnell geht, ich sage nicht, dass es billig wird und ich sage nicht, dass sich nicht auch einiges anderes ändern muss, aber ich glaube, letztendlich lässt sich vieles auf folgende Bereiche herunterbrechen: 

Bildung, Bildung, Bildung. Bildung ist das Alpha und das Omega, sei es, um die Renten der nächsten Generation zu sichern, sei es, um mit weniger Raubbau an der Natur mehr Menschen zu sättigen, sei es bei anderen wichtigen Innovationen. 

Solidarität, Menschlichkeit, Nächstenliebe. Wenn wir Menschen uns alle als gleichwertig betrachten würden, eigene Ansprüche manchmal zum Wohle vieler zurückstellen würden, anderen helfen würden, unseren Überfluss teilen würden, dann könnte die Welt eine bessere werden. Dazu gehört auch Teilhabe für alle. Alles das käme, da bin ich überzeugt, allen zugute. 

Alle Macht den Menschen, nicht alle Macht wenigen Menschen und Organisationen. 

Als ich mir dann heute mein neues Monatsticket kaufte, eines von diesen schönen übertragbaren, auf denen man abends und am Wochenende noch jemanden mitnehmen kann (das kann man übrigens auch mit fremden Menschen machen, aber dazu gleich mehr), kam mir der zweite Punkt in den Sinn. Es ist nun einmal so, dass man am letzten Tag eines Monats bereits das neue Ticket nutzen kann und am ersten des neuen Monats noch das alte Ticket. 

Also dachte ich bei mir: Hey, du sprichst gleich am Ticketautomaten jemanden an und machst ihm einfach eine Freude. Ein paar Euro spart ja jeder gerne. Gegenleistung wollte ich natürlich keine, wobei ich bei einem Lächeln oder einem Danke nicht geweint hätte, so was erhält man ja auch, wenn man kein Zwei-Tages-Ticket verschenkt, sondern einfach jemanden mitnimmt. 

Also ab zur Haltestelle und am Automaten platziert.

Eine ältere Dame war die Glückliche, die als erstes ein Ticket ziehen wollte. „Geben Sie das Geld für etwas Schönes aus und nehmen Sie dieses Ticket“, sagte ich ihr. „Ich habe bereits das Neue“ schob ich hinterher, da sie sehr ungläubig guckte.

Die Frau ging kopfschüttelnd – und recht flott – weg. 

Nicht ganz anders erging es mir bei einem jungen Mann und einer Frau die ich mal auf 29b schätzen würde. Zitat:“Morgen ist doch schon wieder Geld drauf“ bzw. „Häh? Was soll denn das jetzt?“ gepaart mit weggehen und komischen Blicken. 

Das gab mir zu denken. In den nächsten Spiegel geschaut: So verboten sehe ich nun auch nicht aus.Was also war die Ursache? 

Es gibt Dinge, die sich gegenseitig verstärken, Spiralen ausbilden, sei es im Guten oder im Schlechten. Ich glaube, viele Menschen haben den Glauben an das Gute, Selbstlose in anderen Menschen verloren und erwarten immer einen Haken. Wer allerdings so denkt, wird meist auch nicht so handeln, wie er es bei anderen nicht erwartet. So bestätigen sich alle darin, dass sie egoistisch sind und die Solidarität bzw. kleine Nettigkeiten gehen weiter verloren. Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. 

Mir kam ein Gedanke, den ich auch gleich in die Tat umsetzte (und ich fand jemanden, der immerhin schon einmal das Ticket annahm): Ich wollte öfter Menschen etwas Gutes Tun. Aber ich wollte auch darüber sprechen bzw. schreiben. Ich wollte, dass andere Menschen dadurch vielleicht wieder ein wenig Glauben an andere Menschen finden oder selber genauso agieren und Multiplikatoren werden. Und ich knüpfte das Ganze an eine Bedingung (ok, sie ist nicht nachprüfbar, aber da sind wir wieder beim Glauben an das Gute):

Derjenige, dem ich Gutes getan hatte, „verpflichtete sich“, innerhalb einer Woche zwei anderen Fremden Gutes zu tun (wer weiß, vielleicht nimmt er ja jemanden auf dem Ticket mit), davon im Bekanntenkreis oder via social media zu berichten und denjenigen die gleiche „Auflage“ zu machen. 

Für Empörung und Kontroversen ist das Internet ja immer gut, es kann aber auch gut genutzt werden, um aus der spontanen Idee Einzelner eine Welle zu machen. Ich weiß nicht, ob das Ganze vielleicht nur eine spontane Spinnerei ist, die nichts bringt, ob überhaupt jemand meiner Meinung zustimmt, ob jemand mitmacht oder es gar weiterverbreitet, aber ich weiß, dass ich anfange das öfter zu machen. 

Jeder Einzelne kann mit Kleinigkeiten dazu beitragen, dass andere wieder den Glauben an die Menschen finden, vielleicht selbst aktiv werden und weitere Menschen für die Idee begeistern können. Das Mitnehmen auf dem Ticket, die Wegauskunft, wenn man jemanden verloren am Bahnhof sieht, der Kasten, den man der netten Frau in den Wagen trägt, es gibt so viele Kleinigkeiten, die einem selber nicht wehtun, aber in der Summe einiges bewegen können. 

Also, falls jemand bis hier gelesen hat und die Idee nicht ganz so bescheuert findet, verbreitet die Idee, lebt die Idee

Tut Fremden etwas Gutes, redet darüber und bittet diejenigen, zwei weiteren fremden Menschen etwas Gutes zu tun. Im Besten Fall tretet ihr eine Lawine los, die in den Köpfen etwas bewegt, im schlimmsten Fall erntet ihr ein paar dumme Sprüche in sozialen Netzwerken und komische Blicke auf der Straße. Seid kreativ beim verbreiten, macht Fotos mit glücklichen Menschen, dreht Videos, macht, was ihr wollt, aber macht was! 

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6 Gedanken zu „#TuFremdenGutes

      1. Ma Tze Autor

        Sehr genial. Das anonyme erinnert an den Spender/die Spenderin aus Braunschweig(?), der/die auf Zeitungsartikel reagiert. Stark!

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