Ein Service-Dialog der etwas anderen Art

Es gibt auch Kunden mit Stil:

„Liebes Team XYZ,

Meine Rufnummer möchte geschäftlich werden. Jetzt ist sie privat, aber sie will eine professionelle Rufnummer werden. Spötter meinen, in diesem speziellen Fall wird „professionelle“ vielleicht doch groß geschrieben.

Dazu haben Sie mir ein kafkaeskes Formular gesendet, das neben dem Erwerb von Atomwaffen und den Betrieb von Großraumschwimmbädern wohl auch – so meine Hoffnung – anscheinend diesen hochkomplizierten Verwaltungsakt der Rufnummernartenänderung bewerkstelligen kann.
Ich bin gespannt.

Wenn Sie das lesen..? Sind Sie ein Mensch? Diese Frage wühlt mich sehr auf.

Zudem möchte ich mich für Verwirrungen entschuldigen, die daraus entstehen könnten, dass ich zwei Empfänger in der Adresszeile angegeben habe. Ich weiß es nämlich nicht besser. Und habe einfach mal beide genommen.

Es grüsst aus dem Herzen der (einzig wahren) europäischen Lebkuchenindustrie“

Und die Antwort des CCA:

„Sehr geehrter Herr XXXX,

betreffend der Metamorphose Ihrer Rufnummer von privat zu geschäftlich, wobei diese selbstverständlich professionell bearbeitet wurde, gebe ich Ihnen gerne Rückmeldung. Allerdings erst am Ende dieses Schreibens, das, wenn es auch literarisch sicher nicht und vom Inhalt  her nur teils kafkaesk daherkommt, so doch von inhaltlicher Relevanz für Sie ist.

Zuerst zur Frage der Einordnung des Lesenden und Antwortenden. Soeben befragte Kollegen und auch meine bescheidene Selbsteinschätzung gehen konform, dass Homo sapiens sapiens die Art ist, der ich zugehöre. Ich hoffe, diese Aussage ist nicht zu aufwühlend oder enttäuschend für Sie.

Zum Formular lassen sich viele unterschiedliche Meinungen finden, die aufzulisten hier den Rahmen sprengen würde, jedoch kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass Ihre Einschätzung die bislang erbaulichste Rückmeldung für mich als Adressaten war; und dies nach doch gar langer Zeit in Gesellschaft dieses – aus rechtlichen Gründen nötigen – wenn auch komplizierten Verwaltungsdokuments.

Verwirrungen ob der Empfängerzeile sind mir im Verlaufe der Bearbeitung nicht entstanden, sodass eine Entschuldigung Ihrerseits keineswegs benötigt wird und die Bearbeitung weitestgehend problemlos erfolgen konnte. Von Einzelheiten möchte ich Sie hierbei verschonen.

Kurz sorgte die Erwähnung von Lebkuchen für Verzögerungen, die allerdings nicht das Ergebnis der durch mich durchgeführten Verwaltungshandlungen beeinträchtigten, sodass ich Ihnen nun gerne verkünden kann, dass Ihr Wunsch erfüllt werden und die Rufnummer gewandelt werden konnte, noch dazu ohne dazu Großraumschwimmbäder betreiben oder gegen Sperrverträge verstoßen zu müssen.

Kurz gesagt: Es ist vollbracht!

Und es wird Ihnen, wie es sich für solche Verwaltungsakte –Sie werden mir, Kafka im Hinterkopf, zustimmen – nun wirklich gehört, auch noch einmal in förmlicher Variante bestätigt werden.

Freundliche Grüße aus dem Herzen des Kohlenpotts“

Auch so kann ein Service-Dialog ablaufen. An sich jedenfalls. Oder?

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