Mal wieder ’ne Flagge bei den Piraten

Als das letzte Mal was mit ner Flagge auftauchte, hatte ich das hier ein wenig in Textform gegossen, jetzt ist es soweit:

Es macht mal wieder eine Flagge Stress bei den Piraten.

Wie so oft bei Stress bei uns zu einem dummen Termin, wie so oft bei Stress bei uns auf eine unnötige Art und wie so oft bei uns bei Stress wegen einer unnötigen Sache. Es geht also um die oben verlinkte Flagge, die im offiziellen Shop der Piraten nicht mehr gehandelt werden darf.

Ob da jetzt jemand extra so agiert, um Andere in offene Messer laufen zu lassen oder ob Andere zu wenig Fingerspitzengefühl in der Reaktion aufweisen oder gar ihre böse rechte Ader zeigen? Mindestens die letzte Variante halte ich für völligen Humbug. Jedenfalls empört man sich in allen Varianten – und natürlich geben die meisten Leute wieder mal keinen Meter Boden preis…

Ich persönlich finde es richtig, dass diese Flagge nicht mehr im offiziellen Piraten-Shop verkauft wird.

Das hat weder den Hintergrund, dass ich was gegen Piraten habe, noch gegen Antifaschismus, noch gegen die Optik der Flagge an sich (hübsch ist sie ja durchaus mit dem netten Orange).

Es wird aber hier bewusst die Symbolik eines Labels (Antifa) genutzt, das meiner Meinung nach nicht in einem offiziellen Shop einer Partei in dieser Art verkauft werden sollte. Nicht umsonst stehen Teile der autonomen Randbereiche , die unter diesem Label agieren, unter Beobachtung und fallen wegen ihres Auftretens und ihres Verhältnisses zu Gewalt auch oft genug negativ auf (siehe auch hier in Kurzform einige Aspekte linker Probleme). Durch Ihre Heterogenität ist pauschale Kritik an „der Antifa“ sicher nicht sinnvoll, aber aus demselben Grund auch kein pauschales Gemeinmachen mit dieser als politische Partei. Allein das sollte also zur Ablehnung des Verkaufs im offiziellen Shop einer Partei imo reichen. Es handelt sich hier nicht um einen Verein / eine NGO, die komplett und vorbehaltlos unterstützenswert ist, wenn man als Piratenpartei agiert. Bei solchen Vereinen und NGOs allgemein sehe ich es als legitim an, im Rahmen einer Kooperation auch im offiziellen Shop Dinge mit Bezug zu Piraten und XY zu vertreiben.

Die gewählte Symbolik steht aber insgesamt beileibe nicht nur für Piraten und Antifaschismus oder Piraten und eine Gruppe, die auf zu Piraten passende Art zu Piraten passende Ziele verfolgt, sondern bewusst für eine Gruppe, der auch eine ordentliche Teilmenge angehört, die Ziele auf eine Art verfolgt, die nicht zu einer ernstzunehmenden, demokratischen politischen Partei passt. Auch gehören dieser Gruppe ordentliche Teilmengen an, die den Staat komplett ablehnen, Gewalt für legitim halten usw., was sie durchaus als eigene Meinung haben können, was aber einer politischen Partei einfach nicht zu Gesicht steht.

Ebenfalls hinterfragen kann man die Symbolik der schwarzen (und wohl bewusst nicht der roten) Flagge; wieviel Anarchie ist mit der Linie einer im heutigen Deutschland angesiedelten politischen Partei im allgemeinen und den Piraten speziell vereinbar (das ist übrigens bewusst keine Aussage darüber, inwiefern oder wieweit Anarchie nicht vielleicht ein interessanter Ansatz sein könnte)?

Zuletzt stört mich sogar auf eine Art auch der genutzte Text „Antifaschistische Piraten“, da er diese „antifaschistischen Piraten“ als Teilmenge der Piraten erscheinen lässt. Jeder Demokrat, der noch dazu Pirat ist, ist meiner Meinung nach automatisch auch gegen Faschismus.

Diese Abgrenzung ist daher nicht nur unnötig, sondern sorgt zusätzlich für zwei Dinge:

– dass bei Anderen das Bild vorhandener faschistischer (oder mindestens nicht gegen Faschismus gerichteter) Piraten entsteht und,

– dass man demjenigen, der aus den vorher genannten (oder potentiellen anderen) Gründen die Fahne ablehnt, den Vorwurf machen kann, gegen Antifaschismus zu sein.

„Piraten gegen Faschismus – Überall!“

wäre in diesem Falle einfach imo deutlich besser für eine Flagge und schafft auch keine Potentiale für Stress. Weder gewollt und vollkommen bewusst, noch kollateral. Dazu dann halt auch nicht die Symbolik der Antifa, sondern reine Piratensymbolik.

Antifaschist zu sein, heißt nun einmal nicht, Symbole aller antifaschistischen Gruppen, welcher Couleur auch immer, in einem offiziellen Parteishop verkaufen zu müssen. Aber Vorstand einer Partei zu sein, heißt, für die offiziellen Dinge in dieser Partei Verantwortung zu tragen und da hätte ich letztendlich dieselbe Entscheidung getroffen.

Eine Flagge in der Art, wie diese hier wäre doch kein Problem, oder? Man kann auch gerne aus dem „Rechtsextremismus“ ein „Faschismus“ machen und alle von mir oben angeführten Kritikpunkte wären von vorneherein obsolet gewesen. Oder z.B. das von mir bereits damals vorgeschlagene „Piraten gegen Faschismus – Überall!“ Ich persönlich halte daher die Entscheidung des BuVo für nachvollziehbar und korrekt. Ob man das Thema mehr im Hintergrund und kommunikativer hätte lösen können? Keine Ahnung. Bei mir kam es erst durch diesen Tweet an. Und im späteren Mumble später kam bei mir die Argumentation auch größtenteils gut an.

Kurz:

Die Aufregung, dass die Fahne nicht mehr verkauft werden darf, ist imo entweder bewusst oder unbewusst übertrieben und Fehl am Platze. Piraten sind antifaschistisch. Punkt.

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Ein Gedanke zu „Mal wieder ’ne Flagge bei den Piraten

  1. lawgunsandfreedom

    Die schwarze Flagge steht traditionell für die Anarchisten.
    Die rot-schwarze Flagge für die Anarcho-Syndikalisten.
    Die gold-schwarze Flagge für die Anarcho-Kapitalisten.

    (Insofern ist die Farbwahl der im Text genannten Flagge witzig, da sie sich der anarchokapitalistischen Flagge annähert 😉 ). Da hat jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht.

    Reines rot steht für Sozialismus und/oder Kommunismus.

    Die AntiFa-Flagge und das Verhalten der radikalen und extremistischen AntiFas haben mit Anarchie nichts mehr zu tun. Das Selbstverständnis der Anarchisten ist nämlich generell von Gewaltfreiheit geprägt. Sicher – es sind immer wieder Leute darunter, die der Meinung sind, Gewalt sei immer gerechtfertigt, wenn sie sie selbst ausüben. Aber diese Leute sollte man nicht als Anarchisten bezeichnen, sondern als das, was sie sind: Schlägerbanden! Leider sind die Übergänge fließend und nicht klar abzugrenzen.

    http://www.anarchismus.at/geschichte-des-anarchismus/verschiedenes/569-die-schwarze-flagge-in-der-anarchistischen-geschichte
    http://de.wikipedia.org/wiki/Anarchokapitalismus

    Antwort

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