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Geschenke & Pflichten – Sowas wie ein Rant

Von der Kommerzialisierung und Bürokratisierung des Schenkens – und einigen Folgen

Ob Weihnachten oder Valentinstag, ob Muttertag oder Geburtstag, Geschenke werden erwartet. Mal in Form von Blumen oder was Süßem für die Liebste oder den Liebsten, mal als Dank für die Mutter, mal weil es halt einfach so ist.

Wie passt das eigentlich zum Geschenk, das von Herzen kommen soll? Brauchen Geschenke von Herzen echt Termine? Ist das nicht die pure Bürokratisierung und Kommerzialisierung des Schenkens über fixe Zeitpunkte und schlechtes Gewissen, wenn man selber nicht die Notwendigkeit sieht und sich dem eigentlich lieber entziehen will?

Menschen überbieten sich, vergleichen sich, erwarten etwas. Die einen mehr, die anderen weniger. Einige fühlen sich schlecht, weil der Andere ja viel mehr verschenkt oder „Besseres“ oder weil sie es sich einfach nicht leisten können mitzumachen. Die Werbung trichtert allen bei den ersten drei Beispielen ein, dass es sich gehört, das man hier einfach schenkt, dass es einfach dazugehört. Ansonsten passiert es durch das eigene Umfeld. Streitigkeiten kommen auf, Stress baut sich auf, Rivalität, Wettbewerb. Alles wegen dieser Termine.

Enttäuschte Erwartungen und daraus resultierende Zwiste; schlechtes Gewissen, obwohl man vielleicht einfach nichts kaufen kann, weil die Kasse nichts hergibt; Entwertung des Geschenks an sich, weil es ja nur noch Ritual oder Pflicht ist und mitgenommen wird, gerne auch verbunden mit Gemecker über die Sinnlosigkeit desselben.

Sollten Geschenke nicht eher zwischendurch vergeben werden? Ohne Fahrplan? Als Zeichen, dass man an jemanden denkt, ihm dankt, ihn gern hat oder einfach etwas gefunden hat, was dieser Mensch vermutlich gerne mag?

Klar, auch dann kann es zu Vergleichen kommen, aber es gibt dann nicht den Zwang an einem bestimmten Datum etwas zu verschenken, weil da halt das Fest der Mutter, der eigenen Geburt (was ich bis heute skurril finde, meine Mutter, ja selbst mein Vater hat da mehr Anteil dran), das christliche Fest der Liebe (Haha…) oder der Tag der Blumenindust… äh, der Valentinstag der Liebenden ist?

Ich persönlich kann mich auch nicht von dieser anerzogenen – und durch dauernd auf uns alle einprasselnden Beeinflussung natürlich geförderten – Erwartungshaltung freisprechen, aber ich freue mich ehrlich gesagt mehr, wenn ich etwas „Außer der Reihe“ erhalte, als an vorgegebenen Terminen. Ich schenke auch lieber außerhalb, weil mir etwas für jemanden ins Auge springt oder derjenige es aus meiner Sicht einfach gerade verdient hat oder gebrauchen kann.

Und ich freue mich über kleine Gesten oder Kleinigkeiten oft mehr, als über große Geschenke.

Vielleicht bin ich (auch) in der Hinsicht komisch und kein Maßstab, aber ich finde sowohl dieses große Geschäft, als auch die Erwartungen und den Wettbewerb nicht angemessen für die tolle Geste, die Schenken für mich eigentlich ist oder sein sollte.

Der Valentinstag geht mir am Arsch vorbei, Weihnachten ist für mich irrelevant (und verlogen noch dazu), für meinen Geburtstag kann ich nicht wirklich etwas und wunder mich, dass ihn Leute feiern wollen (warum eigentlich nicht die Eltern feiern, gerade die Mutter? Warum nicht den Tag der Zeugung feiern, sondern dieses oft willkürliche Datum des „Beginns“ eines Lebens?) Und warum soll ich meiner Mutter nicht lieber zwischendurch was schenken, als am verdammten Muttertag?

Stellt ihr euch auch manchmal diese oder ähnliche Fragen? Stört ihr euch und macht dann doch mit, weil ihr andere nicht enttäuschen wollt, es sich gehört oder warum auch immer? Wie steht ihr zu diesen „Pflichttagen“? Zu Geschenken an sich?