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Quote – Ein paar Gedanken

Die Quote ist ja quasi das Allheilmittel in Sachen Gleichberechtigung, glaubt man einigen Menschen. Sie wird den Frauen das verschaffen, nach dem sie jahrelang lechzen und von dem das Patriarchat sie abhält. Sie wird Freiheit und Gleichheit bringen und Sonnenschein und es wird sowieso alles besser. Für alle!

Mal im Ernst. Wem bringt die geforderte Quote für Frauen in Aufsichtsräten etwas und inwiefern ist eine solche Quote fair oder sinnvoll? Und wie passt die Quote zur ebenfalls so modernen Gender-Theorie? Wie können Personen beide Dinge befürworten?

Ich neige zu der Ansicht, dass die Quote erst mal denjenigen Frauen hilft, die eh schon zu den privilegierten Menschen gehören. Denjenigen, die bereits zu den oberen Prozent der Gesellschaft gehören, die auch jetzt schon ordentlich verdienen und auch heute schon etwas zu sagen haben. Sicher werden sich einige heutige Politikerinnen freuen dürfen, die dann in Aufsichtsräten landen, wo sie andere privilegierte Menschen des anderen Geschlechts ersetzen werden. Welch ein Coup für die Frauen!

Warum setzen wir uns nicht lieber für bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen allgemein ein? Für bessere Bezahlung in Bereichen, in denen vor allem Frauen tätig sind (und die eh klar unterbezahlt sind), wie Pflege und Erziehung? Warum wird Hausarbeit und Erziehung eigener Kinder nicht höher bewertet, sondern setzt auf Projekte, die plakativ sind, kein Geld kosten und eh schon gut situierten Personen helfen? Oh.

Wäre nicht – die allgemeine Sinnhaftigkeit und Fairness einer Quote einfach mal als gegeben annehmend, was ja gerne geschieht – eine Quote, die sich an der jeweiligen Branche oder gar Arbeitnehmerschaft im Betrieb orientiert, fairer und sinnvoller? Warum sollte ein Unternehmen, in dem fast nur Männer beschäftigt sind die selbe Quote erfüllen müssen, wie eins, in dem fast nur Frauen beschäftigt sind? Also z. B. Prozentwert des Geschlechts im Betrieb minus 20 Prozent als Mindestwert.

Und warum gilt nicht anders herum auch eine Quote für Männer in den Aufsichtsräten von Unternehmen, in denen sie unterrepräsentiert sind? Ist das das selbe Prinzip, wie bei Gleichstellungsbeauftragten, die nur weiblich sein dürfen? Mal ehrlich, wenn es strukturell durch eine Geschlechterhoheit in einem Unternehmen oder einer Branche gewisse Machtverhältnisse geben mag, gilt das dann nur für das eine Geschlecht? Sind Frauen dagegen immun, wo Männer so schlimm agieren?

Und wenn wir schon eine Quote fordern, warum dann gerade am Geschlecht festgemacht? Auch farbige Menschen oder solche mit Migrationshintergrund sind doch in Deutschland immer noch benachteiligt, oder irre ich mich da? Sollte da dann nicht auch das Allheilmittel genutzt werden?

Und wenn wir jetzt immer noch eine Quote für Frauen fordern, wie passt das eigentlich zur modernen Gender-Theorie, die ja sagt, dass Geschlechter nur konstruiert bzw. ganz anders sind, als nur Mann und Frau und rein biologisch betrachtet? Wenn jetzt die Hälfte eines Aufsichtsrates, der nur aus Männern besteht (alt und weiß und heterosexuell versteht sich), sich jetzt als Frau definieren, was unterstützt man denn dann politisch korrekt? Die Quote oder die Gender-Theorie? Beides wäre ja dann doch schwierig unter einen Hut zu bringen.

Ich bin übrigens der Meinung, dass Vielfalt Unternehmen durchaus gut tut. Ich bin aber, es könnte dem ein oder anderen Leser aufgefallen sein, kein Freund der Quote. Nicht, weil ich gegen Gleichberechtigung bin, nicht, weil ich meine hart erkämpften Pfründe und Posten verschwinden sehe. Nein. Weil ich sie für nicht zielführend, für die meisten Frauen nicht hilfreich und allgemein für nicht fair und unnötig halte.

Update 16:40 Uhr: der @faz_donalphonso hat heute auch zur Quote geschrieben: http://blogs.faz.net/stuetzen/2014/11/29/die-frauenquote-nach-marquis-de-sade-4755/

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