Archiv für den Monat Februar 2014

Vom Bombergate und dem Umgang damit

Ich wollte es eigentlich nicht verbloggen, aber gut, hier meine paar Cent zum #Bombergate, da auf Twitter leider von einigen nur versucht wird, abzulenken oder zu diffamieren.

Es ist auf mehreren Ebenen erschütternd und traurig, was da passiert. Fangen wir am Anfang an.

Eine vermummte Person macht auf Femen (selbst die haben sich teilweise distanziert) und schreibt sich eine Botschaft auf den nackten Oberkörper. Eine Botschaft die Bomber Harris dankt. Dumm dabei, dass Tattoos und weitere Indizien auf einem Vergleichsbild recht schnell deutlich machen, dass es sich um Anne Helm handelt. Die Verteidigung ihrer Anhänger (Sie schweigt größtenteils) wechselt dann auch von Leugnung zu Aussagen wie „Sie ist vermummt, also will sie anonym bleiben, respektiert das“ oder einfach der Bestätigung, dass Bomber Harris ja nur Gutes getan hat und Lob verdient. Wohlgemerkt erst, als der Versuch, abzustreiten nicht mehr tragbar war. Flexibel im Diskutieren sind sie ja, das muss man ihnen lassen und da kommen wir auch gleich nochmal anhand andere Dinge zu. Anne Helm selber hat dann wohl auch noch den Bundesvorstand belogen, dieser spielt auch noch seine unfeine Rolle.

Wir haben also Lügen, eine unfeine Aussage (btw: hätte Helm da gesagt:“ja, bin ich und es sollte nur den Dank für die Befreiung von den Nazis ausdrücken“, wären wohl deutlich weniger Austritte und Aufregung die Folge gewesen. Aber gut. Hat sie nicht. Warum auch immer.)und abrupt wechselnde Rechtfertigungen dafür.

Nächste Eskalationsstufe. Auftritt Schramm, Höfinghoff und Freunde. Feixend und Johlend mit bekannten Parolen haut man in die von Helm geschlagene Kerbe, nennt es Twitterdemo. Kritik daran führt dazu, dass man zum Eichmann-Fan und Nazi gemacht wird. Wenn man das wird, weil man das Sterben Tausender Zivilisten nicht gutheisst und schon gar nicht das eklige Abfeiern darauf, dann bin ich wohl so einer. Einige Leute haben Screenshots gesammelt, Anzeigen würden mich nicht wirklich verwundern, gegen Anne Helm ist bereits mindestens eine gestellt worden. Der Account von Schramm ging dann auch schnell in den geschützten Modus. Pietätlosigkeiten die potentiell noch weitergingen waren also nicht mehr nachvollziehbar.

Hier haben wir dann also Freude über Tote und das Hoffen auf weitere Bomben auf Deutschland. Nicht nur im Kontext extrem widerlich, sondern ganz allgemein. Rechtfertigungen gingen von vernünftigen historischen Ausführungen (die aber gar nicht das Problem darstellen, weswegen der Blogpost leider am Ziel vorbeiging) über Beleidigungen hin zu der Variante:“Wer sich nicht aktiv wehrt, ist Mittäter!“. Ok. So kann man Kinder und Rentner, die sterben vielleicht vor sich rechtfertigen, aber nicht vor den meisten Menschen, die mitdenken und -fühlen. Konsequent weitergedacht müsste am 6.8. eine Hiroshimaparty steigen. Aber vielleicht sind Japanische Mittäter bessere Menschen gewesen, wir werden sehen. Fragt einfach bei den Piraten eures Vertrauens in Berlin oder sonstwo nach.

Kurz: Stellt euch nicht so an, es ging nur gegen Nazis, war unvermeidbar und voll schön. Werft Bomben, macht Deutschland zu Ackerland. Parolen, die ich bei 16jährigen peinlich finden würde, sind für politisch agierende Menschen und die zugehörige Partei untragbar. Da wird doch sicher der Bundesvorstand reagieren.

Nein. Der wird krank, seine bessere Hälfte verteidigt dann Schramm, grob gesagt so:“Die Julia ist töfte und ein guter Freund, das ist schon ok so“. Als dann mal was vom BuVo kommt, mittlerweile sind einige besonnene, vernünftige Personen ausgetreten, haben dies vor oder haben zumindestens angekündigt, für die Europawahl #keinenHandschlag zu tun, meldet sich der BuVo endlich.

Und berichtet an sich nur, dass Helm bedroht wird und das das nicht geht und man zu ihr steht. Natürlich geht das nicht, keine Frage (wenn es stimmt, mittlerweile weiß man ja nicht mehr, wem man was glauben kann). Aber natürlich ist das einfach plumpes Derailing.

Das mit dem Mollie in Berlin ist dann nur noch ein weiterer Tropfen, der ja fast schon untergeht. Aber gut, der Vollständigkeit halber: War nur symbolisch. Wichtige Geste. Vielleicht etwas übers Ziel. Sowas las man u.A. dazu.

Wir haben also mehrere politisch aktive Personen (auf Listen, in Fraktion…) innerhalb einer Partei, die nicht nur ungestraft, sondern mit Unterstützung vom Bundesvorstand lügen, Bombardements feiern und fordern und deren Kritiker, wie so gerne und oft, einfach schnell und laut als Nazis diffamiert werden. Einige zugehörige Piraten, wie z.B. Delius, freuen sich offen über Austritte von Personen, diese wären dann ja eh keine echten Piraten. Im Ernst? Die ganzen Leute, die austreten, waren nie Piraten? Diejenigen, die sofort Nazi schreien und Tote feiern schon? Ok. Dann waren Piraten immer anders, als ich dachte.

Zum Glück formiert sich auch Widerstand (ok, in Berlin, verständlicherweise eher still, da würde ich auch Sorge haben, zum Mobbingopfer zu werden) innerhalb der Partei. Was der noch retten kann und wie, ist eine interessante Frage.

Was haben wir also letztendlich?

Ein absolutes Desaster.

Helm hätte es durch die (vermutlich geschönte)Wahrheit direkt entschärfen können, danach wurde fleißig ekliges Öl zugegossen, die Unterstützer mobilisiert, Accounts geschützt und der BuVo aktiv. Auf einmal gab es (wie so oft, irgendwie tauchen selten Belege auf, aber gut…) Drohungen und Beleidigungen (wohlgemerkt, Eichmannvergleiche, Nazititulierungen usw waren ausdrücklich nicht gemeint, wurden nicht mal erwähnt, es geht um die gegen die Protagonistinnen als Reaktion auf deren Verhalten ausgesprochenen) und alles ging hoch. Wir haben Politik 1.0. Von oben herab legitimiert, Seilschaften, auf persönlichen Freundschaften beruhende Stellungnahmen und leeres Gewäsch.

Es wurde derailt (Funfact: derailing ist im Kontext ein neues Wort, nicht mal in Wikipedia zu finden [letztendlich ist das nur der Versuch fachlich und intelligent zu wirken, man kann auch ablenken sagen, wenn man mag], einer der Standardvorwürfe, neben victimblaming und relativieren, aus der linksfeministischen Szene), was das Zeug hält, es wurden zivile Opfer zu Tätern stilisiert, es wurden deren Tode relativiert und dann machte man halt das übliche Blocken oder protecten und, wie erwähnt, dass lautstarke diffamieren Andersdenkender. Vom oben erwähnten Wechsel der Verteidigungsstrategie ganz abgesehen. Kreativ sind sie ja, wenn sie die Meinungshoheit laut behaupten wollen. Setzen bewusst die rhetorischen Mittel ein, die sie sonst geifernd anprangern. Damit ihre Position als gut dasteht und jeder Kritiker braun erscheint.

Das Problem ist:

Die Kritiker sind keine Nazis. Nicht einmal nahe dran. Die Kritiker sind Menschen. Denkende und fühlende Menschen, die sich ebenso freuen, dass Deutschland (und die Welt) von den Nazis befreit wurde. Die froh sind, dass wir in einem ziemlich freien Land leben, dass es sonst sicher nicht wäre. Die teils in der Piratenpartei aktiv an moderner Politik mitarbeiten oder dies bislang getan haben. Aber, wenn man laut genug Nazi ruft, werden einige hellhörig (was erstmal gut ist) und reagieren sofort. Kopf aus, Beissreflex an.

Die Kritiker sind Menschen, wie ich, die es beschämend finden, wenn erwachsene Menschen solches Zeug sagen und die sich von der Partei abwenden, weil es nicht der erste Vorfall aus dieser Richtung war und weil wieder alles gedeckt wird und nichts passiert. Menschen, die sich jetzt beschimpfen lassen dürfen, weil sie gegen eklige Äußerungen vorgehen und vom Bundesvorstand fordern, nicht seine persönlichen Seilschaften mit einer Stellungnahme wie aus der Feder eines alteingesessenen Politikers und per Derailing zu verteidigen. Menschen, die mit Herzblut maloch(t)en für Piraten sind darunter, die jetzt sehen, wie linksradikale Chaoten alles in Stücke hacken.

Und jetzt dürft ihr mich wieder zum Eichmann-Fan machen, oder vielleicht seid ihr ja noch kreativer, wer weiss, dürft mich braun nennen, um den heissen Brei herumreden, andere Baustellen aufmachen, Kleinigkeiten im Text, die ihr sicherlich findet, hochstilisieren, die linke Moralkeule schwingen. Fühlt euch frei. Nur: Ihr werdet es nicht schaffen, das Schönzureden, was gesagt wurde, auch, wenn ihr euch windet und anstrengt.

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Von Glaubwürdigkeit und der Wichtigkeit des Redens

 

 

Wir müssen reden über Authentizität und Glaubwürdigkeit. Wir müssen reden über Menschen, die Wasser predigen und Wein saufen. Wir müssen reden über die Art, wie Politik gemacht wird. Wir müssen darüber reden, wie wir reden. Wir müssen darüber reden, mit wem wir reden und nicht reden. Vor allem müssen wir miteinander reden, statt übereinander zu reden…

So, wie Bildung und Solidarität Grundpfeiler einer gerechteren Gesellschaft sind, so sind es Kommunikation, Kompromissbereitschaft, Offenheit und kongruentes Handeln für die Politik. 

Ich will kurz zwei Parteien skizzieren: 

Es gibt da eine Partei, die hat tolle Ideen, kritisiert Dinge, die in der aktuellen Politik schief laufen und geändert gehören und legt Finger in diese Wunden. 

Sie kritisiert, dass Politik nicht für alle gemacht wird, sondern für bestimmte Gruppen

Sie kritisiert, dass es keine Themenkoalitionen gibt, sondern aus Kalkül Anträge abgelehnt werden, weil sie der Falsche stellt

Sie kritisiert, dass es Dinge wie Fraktionszwang gibt und nicht der Einzelne entscheidet

Sie kritisiert, dass Fakten hinter persönlichen Animositäten oder Parteikalkül zurückstehen

Sie kritisiert, dass andere Meinungen nicht gewünscht sind oder ihnen kein Platz eingeräumt wird

Sie kritisiert, dass sich vieles intransparent im Hintergrund abspielt, nicht nachvollziehbar für Außenstehende

Sie kritisiert, dass mit Worthülsen und Neusprech agiert wird

Sie kritisiert, dass Köpfe wichtiger sind, als Themen

Sie kritisiert Elitenbildung

Sie kritisiert Bigotterie und die Entfernung vom Volk als Basis

Sie kritisiert, dass Probleme nicht sinnvoll angegangen, sondern ausgesessen werden

Sie kritisiert noch mehr und das ist auch gut so! 

Es gibt auch eine Partei, die sich intern zerfleischt, wo einiges schiefläuft, wo Finger, wenn überhaupt, dann destruktiv in Wunden gelegt werden. 

Eine Partei, die intern stark durch Gruppendenken und persönliche Animositäten geprägt ist

Eine Partei, wo nicht jeder einfach so mitmachen kann, ohne sich in Schusslinien zu begeben

Eine Partei, wo andere Meinungen schnell durch Blocken oder Diffamieren unterdrückt werden, wo gewinnt, wer laut ist

Eine Partei, in der Diskussionskultur in erschreckender Form zu finden ist

Eine Partei in der, statt konstruktiv und themenbezogen zusammenzuarbeiten, auch, wenn man bei anderen unterschiedlicher Meinung ist, eben dies nicht geschieht

Eine Partei, in der Köpfe und Gruppen wichtiger sind, als Themen

Eine Partei, in der sich deutlich Gruppen mit elitärem Denken und Gehabe offenbaren (dazu noch Sprache nutzen, die viele nicht verstehen)

Eine Partei, in der Menschen für Gleichberechtigung und Grundrechte kämpfen und dabei andere mundtot machen, rhetorisch in unschöne Ecken verfrachten oder abwerten

Eine Partei, in der Menschen, die die Macht der Sprache kennen und teils deren Gebrauch anprangern, schamlos eben diese Macht nutzen

Eine Partei, in der Probleme entweder laut und heftig, dafür meist wenig konstruktiv, oder gar nicht angegangen werden

Eine Partei, in der viele Dinge auftauchen, die verhindern, dass sie sinnvoll Politik macht, Wähler gewinnt und damit sinnvolle Politik in größerem Maßstab machen kann. 

Die müssen sich gegenseitig ganz schön anfauchen vermutlich, oder? Die stehen ja für komplett unterschiedliche Dinge, die zweite Partei ist quasi ein Abziehbild der Kritik der ersten Partei. Ok, die erste Partei kritisiert Politik an sich, wohingegen die zweite die Probleme intern hat, aber verstehen können die sich sicher nicht. 

Doof nur, dass es nur eine Partei ist. 

Authentizität, moderne Politik und Glaubwürdigkeit. Das wäre was. Bigotterie, Politik, wie bisher und keine wirkliche Aussicht auf Besserung. Das ist imo der Status Quo. Und der manifestiert Probleme, statt sie konstruktiv anzugehen. Wer Wasser predigt, aber Wein säuft, kann anderen das Selbe vorwerfen, ist aber keineswegs glaubwürdig oder ehrlich damit.

Das ganze Ding wird der Partei, je nach Wahlergebnissen, meiner Meinung nach noch dieses oder nächstes Jahr, um die Ohren fliegen. Was dann aus den guten und wichtigen Ideen wird? Keine Ahnung, aber der deutschen, alteingesessenen Politlandschaft fliegt sicher häufiger vor Lachen der Sekt aus dem Gesicht.

Gute Ziele werden von denjenigen torpediert, die sie doch fördern wollen. Verlierer sind diejenigen, die aufopferungsvoll arbeiten, zu Kompromissen bereit sind, ihre Person hintenangestellt haben. Und unsere Demokratie und die, für die Politik gemacht wird: die Menschen. Verliere werden auf Dauer auch die bisherigen Profiteure sein, denn, wenn die Bühne „Partei“ Geschichte ist, müssen einige ihre Profilneurose woanders, wohl auf kleinerer Bühne, ausleben.

Gewinner ist die bisherige Politik, bestärkt auch durch Wahlergebnisse. 

Die erste Partei hätte viel Potential! Es gibt viele Menschen, die an der heutigen Politik verzweifeln, es gibt viele Menschen, die unter der heutigen Politik leiden, es gibt viele Menschen, die an der heutigen Politik viel auszusetzen haben. Aber die erste Partei darf nicht agieren, wie es die zweite Partei tut. Damit nimmt sie nicht nur sich die Chance, etwas zu erreichen, sondern erleichtert es dem derzeitigen Politikbetrieb, sein Ding weiter durchzuziehen. Menschenrechte, Freiheit, Offenheit, Gleichberechtigung und viele weitere Dinge sind wichtig, sind essentiell für eine fairere Gesellschaft, aber, genau das muss vorgelebt werden. Menschen lernen mehr und bereitwilliger durch Vorleben, als durch Vorgaben, durch Überzeugung, statt durch Überredung oder Druck. 

Wir müssen reden. Miteinander, statt übereinander. Auch mit Menschen, die uns persönlich nicht passen, diese persönlichen Animositäten müssen hinter der Sache zurückstehen. Wir müssen reden, auch mit Menschen, deren Meinung uns in bestimmten Bereichen nicht passt. Wir müssen reden und versuchen, alle soweit es geht mitzunehmen, statt auszugrenzen. Wir müssen reden, mit klaren Worten, aber ohne Worte als Waffe zu gebrauchen, die spaltet und Menschen diskreditieren soll. Wir müssen reden, ohne Kampfbegriffe und Totschlagargumente, stattdessen sachbezogen und konstruktiv. Wir müssen intern reden und wir müssen extern reden, so dass die Menschen verstehen, was Sache ist und es auch glauben können. Wir müssen lernen, andere Meinungen zu tolerieren, aus ihnen zu lernen, sie gegebenenfalls integrieren oder aber die Inhalte widerlegen. Wir müssen reden miteinander, als Menschen, wir müssen reden, ohne direkt anzugreifen. Wir müssen reden, zur Not via Mediation.

Wir müssen viel reden.

Und dann dementsprechend handeln. 

Kranke Welt

Ayo, die Welt ist so krank, ayo, die Welt ist so krank mein Freund. 

Wir leben in einer kranken Welt. Keine Frage. Und heute folgen wir den Lyrics des hörenswerten Stückes „Kranke Welt“ von Dopewalka (Dopewalka.net) als rotem Faden. Er legt, untermalt von wirklich guter Musik, Finger in Wunden der Gesellschaft. 

In den Köpfen der Menschheit wächst der Tumor der Neuzeit,
lässt sie glauben sie wär’n glücklich wenn sich keiner erfreut zeigt

Neid und Missgunst, Ellenbogen und Egoismus haben längst die Solidarität der Menschen verdrängt, den sozialen Kitt weggewischt. Ist das eine Krankheit der Moderne, der wir ausgeliefert sind? Oder können wir noch etwas tun? In meinem letzten Blogpost habe ich ja die Idee angestoßen, dass wir unsere Gesellschaft hier wieder ein wenig umpolen könnten, wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet. #TuFremdenGutes lässt sich natürlich erweitern und gilt natürlich auch für Nachbarn und Bekannte. Gerade Nachbarschaft war einmal deutlich intensiver, enger. Heute wohnen – aus verschiedenen Gründen – nebenan für Viele nur noch anonyme Personen, dem Namen nach bekannt, wo doch früher neue Nachbarn begrüßt wurden und man sich gegenseitig half. 

Weil der Pfeil jetzt auf euch zeigt, all die Blinden und Tauben,
auch wenns euch nicht anders ging lasst eure Kinder nicht glauben,
die Welt wär‘ aus Beton und dass es sich so gehört,
stetig darauf aus zu sein dass man sie zerstört

Ich hatte Glück, ich wuchs auf mit viel grün in der Umgebung, ich kletterte auf Bäume, zerkratzte mir Beine und Arme in Brombeergestrüpp, kam matschbesudelt nach Hause und war glücklich damit. Ich ging im Wald spazieren, im Park, ich kannte große Wiesen mitten in der Stadt, direkt nebenan, die mittlerweile Neubaugebieten weichen mussten. 

Stetig schreitet das Betonieren der Welt voran. Grün verschwindet, ob in kleinerem Rahmen in den Städten und Ballungsräumen oder großflächig aufgrund Abholzung von Wäldern für Holz, Bergbau oder landwirtschaftliche Nutzung. Wir zerstören immer mehr die Grundlage unserer Gesellschaft, betreiben Raubbau an der Welt, die wir von unseren Kindern ja laut geflügeltem Wort nur geliehen haben. Wir verpacken aus Öl gewonnenen Müll in aus Öl gewonnene Tüten um diese mit mit aus Öl gewonnenem Benzin fahreden Fahrzeugen auf Kippen zu sammeln und dann zu verbrennen. Wir holzen Wälder ab, als ob es kein Morgen gäbe, verseuchen unsere Flüsse, Meere und Seen, verpesten die Luft, produzieren Abfall mit unfassbaren Halbwertszeiten, ohne, dass wir sichere Lagerstätten hätten. 

und dass es ganz normal ist täglich dreimal zu duschen,
während andere verdursten und uns Bonzen verfluchen… 

Alles das tun wir, weil wir maßlos sind. Wir wollen mehr, wir wollen alles und wir wollen es sofort. „Wir“ sind hier die Menschen in den Ländern, die sich Überfluss leisten und die in den Ländern, die auf dem Weg dahin sind. Und die wenigen Reichen in den armen Ländern, wo Wasser ein Luxusgut ist und dann auch noch im Zweifel Nestlé gehört. Es ist pervers, es ist krank, was wir tun. Denen gegenüber, die darben und auch und vor Allem denen gegenüber, die noch in diese Welt hineingeboren werden, ohne sie vorher zu fragen, ob das alles so nach ihrem Willen ist. 

weil wir den Benz polieren, ’nen faulen Lenz markieren,
und uns aufregen wenn bei Take That zwei Fans krepieren,
doch wenn in andern Teilen täglich tausend Menschen verhungern,
und besoffene Penner kurz vorm Tod am Bahnhof rumlungern,
dann geht ihr lachend weiter als wär nie was passiert,
ihr kuschelt euch in euer Bett während der Penner erfriert

Raffgier, das Bedürfnis mehr und bessere Dinge zu haben, als andere, am Besten ohne viel Arbeit, nur durch Zinsen und Anteile an Unternehmen, in denen Menschen ausgebeutet werden, scheint Teil des Zeitgeists zu sein. Mitleid gibt es in arg beschränktem Rahmen. Kann mir so etwas auch passieren? Berichten die Medien und ich muss irgendwie betroffen sein? Je weiter weg von der eigenen Lebenswirklichkeit, desto weniger interessiert das Leid anderer Menschen. Mit Konzertbesuchern identifizieren wir uns einfach deutlich mehr, als mit armen Menschen in anderen Ländern oder gar auf anderen Kontinenten. 

Und die betrunkenen Obdachlosen sind uns zuwider. Die haben doch selber Schuld und außerdem verschandeln sie unser Stadtbild. Davon ab erinnern sie vielleicht auch einige Leute daran, dass sie selber, mit etwas Pech, in eine solche Situation kommen können und das können wir gar nicht leiden. Ab und an schmeissen wir Ihnen einen Groschen, statt einer Beleidigung hin, das beruhigt das eigene Gewissen so wunderbar. Das Selbe Prinzip, wie beim Mülltrennen. Etwas Gutes tun, um ein Feigenblatt zu haben und weiter den eigenen Weg zu gehen.

wir haben kapituliert haben uns selbst aufgegeben,
um ein Teil davon zu sein und irgendwie gut zu leben,
aus einer Welt voll Heuchelei findet niemand den Weg raus,
selbst der Tierschutzverein trifft sich heute im Steakhaus,
ja die Welt ist so verlogen und so bin es auch ich,
ich liebe die Natur und schlag ihr doch ins Gesicht… 

Bigotterie, Heuchelei und Opportunismus, Krankheiten unserer Politik, Krankheiten unserer Gesellschaft. Von Tag zu Tag wird es nicht besser, eher schlimmer, moralische Instanzen? My ass! Die einen hinterziehen munter Steuern, die anderen sind verbale Kriegstreiber, die nächsten predigen Wasser und trinken Wein. Wo man hinguckt Egoismus und die genannten Verhaltensweisen. Es ist einfach nur zum kotzen. Und: immer wieder ertappt man sich dabei, mehr Teil des Ganzen zu sein, als einem selber lieb ist. Die Plastiktüte extra, die Fahrt mit dem Auto, wo es das Fahrrad tut, der Kauf beim Multikonzern, der Verbrauch an Energie, damit man’s mollig hat, das französische Wasser, das man so gerne mag, der Kauf des Smartphones trotz der Arbeitsbedingungen. Ja. Auch ich bin mehr Teil dieser ganzen Scheisse, als ich möchte. Und, wenn ihr ehrlich seid, werdet ihr euch auch fast alle wenigstens zum Teil wiederfinden. Vielleicht können wir ja alle unseren Anteil ein wenig verringern, deal? 

zwei Durchschnittsidioten sie nannten sich Präsidenten,
um Tag für Tag nur mit Konflikten ihre Zeit zu verschwenden,
und nur aufgrund von Kleinigkeiten zieh’n die Truppen aufs Schlachtfeld,
sie sind gedrillt darauf zu töten wer sich gegen die Macht stellt,
so lang die Droge sie wach hält, werden sie weiter töten,
und im Glauben an die gute Absicht nicht mal erröten,
die Menschlichkeit sie geht flöten und euer Kontostand steigt,
während die Welt sich blind vor euch miesen Verbrechern verneigt. 

Zu Rüstungsindustrie und Ihren Lobbyisten und denjenigen, wie Gauck und von der Leyen, die für volle Auftragsbücher bei den Handwerkern des Todes sorgen, muss wohl nicht viel gesagt werden, oder? Und wer weiss, wie lange es noch dauert, bis die Menschen auch außerhalb von Kriegsgebieten mehr und mehr mit der Gewalt des Staates konfrontiert werden. Man höre zu, wenn Scharfmacher, wie Wendt reden und mehr Waffen und Befugnisse wünschen, wenn in Hamburg Gefahrengebiete ausgerufen werden, die Bundeswehr prinzipiell auch im Inneren agieren darf, man schaue auf Patente, die Google anmeldet und auf Dinge, die die Geheimdienste tun und was zwischen den Zeilen immer wieder durchscheint. Man schaue auf Obama und seine Bilanz an Drohnentoten und das immer noch vorhandene Guantanamo. Man höre zu, wem er und die Dienste welche Rechte zugestehen, man achte darauf, was mit Snowden, Manning usw passiert.

Man schaue auf das, was Springerpresse, Öffentlich Rechtliche und andere Massenmedien so verbreiten und was die Leute schlucken, als wäre es vollkommen ok. 

Es ist dringend Zeit, der Welt Medikamente zu geben. Alle gemeinsam an einem Strang ziehend. Bildet euch, bildet andere, bildet Gruppen! Gemeinsam haben wir – noch! – die Chance, etwas zu bewegen, doch die Zeit wird in vielerlei Hinsicht immer knapper und die Chancen schwinden. Denkt nicht nur an euch. Denkt an Nachbarn, denkt an Arme, denkt an hungernde und durstende Menschen, denen es nur so schlecht geht, weil wir alle im Überfluss leben, denkt daran, dass die reichsten 300 mehr besitzen, als die ärmsten 3 Milliarden und denkt an die Generationen nach uns! 

Denkt und handelt solidarisch, was gut für alle ist, ist auch gut für Euch! 

Besten Dank an Dopewalka für den roten Faden, die tollen Lyrics und das Ok, diesen Text einfach mal komplett zu nutzen. Hier findet ihr den Song (und weitere gute Musik), keine Sorge, er verbessert eure Laune direkt wieder und gibt euch die Energie, es anzugehen: dopewalka.net